Projektbezogen
18.05.2022 von Zora Becker & Peter Gwiasda

Erster Facharbeitskreis von INFRASense – Expert:innen diskutieren mit

Am Donnerstag, den 5 Mai 2022 fand der Facharbeitskreis vom Projekt INFRASense als Online Event statt. Expert:innen aus dem Bereich der Verkehrs- und Fahrradinfrastruktur sowie weitere Interessierte waren eingeladen Anforderungen der verkehrsplanerischen Praxis zu diskutieren und ihre Erfahrungen und Expertise in das Projekt INFRASense einfließen zu lassen.

45 Teilnehmende haben im ersten Facharbeitskreis des Projekts INFRASense für einen regen Austausch und vielseitige fachliche Diskussionen gesorgt.

Den Einstieg gestaltete Peter Gwiasda aus dem Planungsbüro VIA mit einem Input zu INFRASense als Ansatz für eine crowdbasierte Erfassung der Radverkehrsqualität.



Das mFUND geförderte Forschungsprojekt INFRASense zielt darauf ab, eine datenbasierte Unterstützung der Radverkehrsplanung zu entwickeln. Dieses soll durch eine automatisierte Auswertung von Sensordaten umgesetzt werden, welche durch Bürger:innen erfasst und anschließend in Form einer (Web-)Applikation bewertet und visualisiert werden. Ziel ist eine einheitliche Bewertung der Radverkehrsqualität auf Basis von Wartezeiten, Störungen im Verkehrsablauf und Erschütterungen durch bauliche Mängel.

Der anschließende Fachvortrag von Verkehrsplaner Michael Haase fokussierte das Regelwerk der Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen. Die Hinweise zur einheitlichen Bewertung von Radverkehrsanlagen (H EBRA) geben die Kriterien vor, nach denen die Qualität eines Radverkehrsnetzes zu bewerten ist. Dabei geht es hier ausschließlich um die Bewertung und nicht die Datenerhebung. Diese kann in unterschiedlicher Weise, z.B. auch durch eine Sensorik erfolgen. Wichtig ist, dass sowohl Sicherheits- als auch Komfortmängel erfasst werden. Beide werden auf ein einheitliches Maß, die Verlustzeit, gebracht. Ziel ist eine einheitliche Bewertung im Sinne von Schulnoten 1 bis 6. Diese kann auf Streckenabschnitte und ganze Netze umgelegt werden.

Mit Hilfe eines Miroboards wurden anschließend in zwei Kleingruppen die Anforderungen an die Daten in den Fokus gestellt. In der einen Gruppe wurde dies anhand der Probleme in der Infrastruktur und Störungen des Verkehrsablaufs, in der anderen Gruppe anhand der Routenwahl sowie der Warte- und Verlustzeiten diskutiert. Über das Leitfragenpaar “Welche Daten stehen bereits … zur Verfügung?” und “Welche Daten erwarten sie sich durch das Crowdsourcing?” sollten Hinweise auf mögliche Schwerpunkte für die Datenerhebung in INFRASense gewonnen werden. Dass Unfalldaten in hoher Qualität und Daten zur Radverkehrsinfrastruktur noch in sehr unterschiedlicher Qualität vorliegen, war weitgehender Konsens in beiden Gruppen. Außerdem bestand eine Übereinstimmung, dass die “Heatmaps” zur Routenwahl einen guten ersten Eindruck vermitteln, aber noch keine zuverlässige Hochrechnung zulassen. Ein erhöhter Bedarf an Informationen wird zu Wartezeiten, Verlustzeiten, Störungen und Konfliktdichten erwartet.

In einem zweiten Fachinput stellte Dr. Sven Lißner von der Technischen Universität Dresden die Nutzungspotenziale von Fahrrad-Apps in der kommunalen Praxis vor. In diesem Vortrag wurde dezidiert herausgearbeitet, welche Möglichkeiten auch heute schon durch die Nutzung von Smartphone-Daten bestehen. Auch Wartezeiten an Knotenpunkten und Fahrgeschwindigkeiten lassen sich ermitteln. Besonders interessant waren die Hinweise auf Fehlerquellen und die Möglichkeiten diese zu eliminieren.

Abschließend konnten die beiden Arbeitsgruppen noch einmal eine Rückmeldung zur künftigen geplanten Anwendung der Daten geben. Dabei standen die Themen “Grundlage für den Bürger:innendialog” und “Optimierung des Mitteleinsatzes beim Ausbau der Infrastruktur” im Vordergrund. Eine bessere Vergleichbarkeit auch mit anderen Kommunen wurde eher als Nebeneffekt gesehen. Für das Projekt INFRASense und auch darüber hinaus konnte vom Projektteam mitgenommen werden, dass die Qualitätsbewertung von Radverkehrsanlagen ein überaus aktuelles Thema ist und die Erwartungen an die Projektergebnisse entsprechend hoch sind.

 


Das INFRASense Team hat sich sehr über die rege Teilnahme und den fachlichen Input gefreut. Herzlichen Dank an alle Teilnehmende! 

Die Ergebnisse werden in den kommenden Wochen aufgearbeitet und in die weitere Ausgestaltung des Projektes einfließen. Wir freuen uns schon sehr auf den Input und den Austausch im zweiten Facharbeitskreis.



 mFUND Begleitforschung
04.04.2022 von Zora Becker

INFRASense diskutiert über Citizen Science für Mobilitätsprojekte

Crowdsourcing – also Daten mit Bürger:innen erheben – bekommt einen immer wichtigeren Stellenwert in der Forschung und stellt ebenfalls einen zentralen Punkt in dem Forschungsprojekt INFRASense dar. In diesem Projekt geht es um die Entwicklung einer Softwareanwendung zur Qualitätsbestimmung kommunaler Radverkehrsanlagen. In diesem Zusammenhang präsentierte sich INFRASense am 24. März im Online-Workshop zum Thema Citizen Science für Mobilitätsprojekte – Daten erheben mit Bürger:innen. Dieser Workshop fand im Rahmen der mFUND Begleitforschung Move Mobility statt. Dr. Zora Becker von mein-dienstrad.de stellte in einem Input-Vortrag die Vorteile der Zusammenarbeit mit Bürger:innen im Projekt INFRASense heraus, um anschließend als Expertin in einer offenen Frage- und Diskussionsrunde mit dem Publikum über Erfolge und Misserfolge in der Zusammenarbeit mit Citizen Scientists zu diskutieren.


Durch viele interessierte Teilnehmende aus weiteren mFUND Projekten entstand ein reger und informativer Austausch über Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit Bürger:innen, über die Nachteile bzw. Alternativen und das große Potenzial von Crowd-Sourcing. Eine Stadt wie Oldenburg, in der viele Menschen mit dem Fahrrad unterwegs sind, eignet sich hervorragend, um Bürger:innen bei Fahrradprojekten aktiv einzubinden und repräsentative Ergebnisse für große Teile der Bevölkerung zu liefern. Besonders hervorgehoben werden kann hierbei, dass die Bürger:innen nicht nur bei der Datenerhebung, sondern auch bei der Interpretation der Ergebnisse der Datenerhebung befragt und beteiligt werden sollten, um einen umfassenden Citizen Science Ansatz zu ermöglichen.

In Bezug auf das INFRASense Projekt wurde noch konkret über die Vorzüge der Nutzung eines Sensors gegenüber der Nutzung eines Smartphones diskutiert. Johannes Schering, der Begründer des INFRASense Projekts, hob hierbei hervor, dass durch den Sensor und die automatisierte Aufzeichnung die Realität des Alltagsradverkehrs optimaler widergespiegelt werden kann. Insbesondere kurze bekannte Wege werden durch einen Sensor besser aufgezeichnet als in einer App, bei der ein aktives Einschalten der Routenaufzeichnung häufig von Nöten ist und oftmals vergessen wird. Zudem ist der Sensor inklusiv für alle Teilnehmenden zugänglich, auch für die, die kein Smartphone besitzen.

In kleineren Gruppen diskutierten die Teilnehmenden zudem verschiedene Methoden zur Datenerhebung mit Bürger*innen und erarbeiteten gemeinsam Potenziale, Herausforderungen und benötigte Ressourcen.

 Insbesondere die Themen Datenschutz, Datenqualität und Datenerhebung wurden noch einmal vertiefend betrachtet. Für das Projekt INFRASense und auch darüber hinaus konnte vom Projektteam mitgenommen werden, dass

  • …im Datenschutz frühzeitig ein Datenschutzkonzept angefertigt werden sollte und es ein Rollenkonzept braucht in dem festgelegt ist, wer Zugriff auf welche Daten haben darf.
  •  …es bei der Datenqualität manchmal schwierig und aufwendig ist, die Qualität der Bürger:innendaten einzuschätzen und diese zu kontrollieren. Zudem fehlen Leitlinien und Standards, an denen sich orientiert werden kann.
  • …in der Datenerhebung beachtet werden sollte, dass meist nur ein Spotlightwert durch Citizen Science erfasst werden kann (da Daten selten über mehrere Jahre erfasst werden). Zudem sollten Aspekte wie die Repräsentativität, Akzeptanz und Datenschutz (vorab) ausreichend Beachtung finden.

Der Online-Workshop hat dem Projektteam von INFRASense eine schöne Möglichkeit des Austausches und der Diskussion zu Citizen Science geboten und gezeigt, dass das Thema auf großes Interesse unter den mFUND Forschungsprojekten stößt und viel voneinander gelernt werden kann.


 Projektbezogen
24.01.2022, von Janika Hintzsche

Großer Zuspruch für das INFRASense Projekt auf der Auftaktveranstaltung

Am Mittwoch, den 19.01.2022 wurde die Auftaktveranstaltung vom Projekt INFRASense als Online Event durchgeführt. Hierbei verdeutlichte sich wieder einmal das große Interesse am Thema Fahrraddaten.

Kurzer Projekthintergrund: Das Projekt INFRASense wurde im November 2021 gestartet und läuft nun bis Oktober 2024. Das Projekt verfolgt das Ziel, den Ausbau der Fahrradinfrastruktur besser und fundierter zu planen. Hierfür werden in vier Feldtests mit je 250 Teilnehmenden in den Städten Oldenburg und Osnabrück große Datenmengen mithilfe von Sensoren gesammelt. Die daraus gewonnen Daten werden anschließend mithilfe einer (Web-)App veröffentlicht und bewertet und liefern so eine Datenbasis, die bislang hinsichtlich der Qualitätsbestimmung nicht verfügbar ist.

Am 19.01.2022 feierte das Projekt INFRASense seinen öffentlichen Auftakt – coronabedingt als Online-Event. Die Veranstaltung wurde von der Stadt Oldenburg moderiert und vom Oldenburger Energiecluster OLEC e.V. gehostet.

Insgesamt 70 Teilnehmenden erfuhren bei der Auftaktveranstaltung Näheres zum Vorgängerprojekt ECOSense, lernten die Projektpartner kennen und erfuhren ausführliche Details über die geplante Sensordatenerhebung im Projekt INFRASense.

Zum Schluss konnten aus dem Publikum Fragen an das Projektteam gestellt werden und es wurden Anregungen für die Erhebung sowie für die Auswertung gegeben. Eine Anregung bestand beispielsweise darin, den Oldenburger Abfallkalender bei der Auswertung der Fahrraddaten ebenfalls einzubeziehen, um den Zusammenhang zwischen eventuellen Streckenbeeinträchtigungen und herumstehenden Mülltonnen auf den Straßen zu untersuchen. Zusätzlich wurde angeregt, das genutzte Fahrradmodel, also E-Bike, Rennrad, Mountainbike, Trekkingrad, etc. in die Analysen einzubeziehen. Alle Anregungen wurden vom Projektkonsortium aufgenommen und werden bei der Umsetzung des Projekts so weit wie möglich berücksichtigt.

Das Projektkonsortium bedankt sich an dieser Stelle für die rege Teilnahme und das große Interesse am Projekt INFRASense.

Die Auftaktveranstaltung wurde aufgenommen und kann hier nochmals abgespielt werden.


 
 
   PR

22.01.2022

NWZ berichtet über INFRASense

Oldenburger nehmen Radwege genau unter die Lupe

Wie gut lässt sich Oldenburg mit dem Fahrrad bewältigen? Das will ein Forschungsprojekt mittels Sensordaten überprüfen. Das Ziel: Den Ausbau von Fahrradinfrastruktur besser planbar zu machen.

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